Verein für Schäferhunde und andere Rassen

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Ein neues Zuhause für Princess Maja gesucht

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Schon ihr Anblick lässt Herzen höher schlagen. Behutsam streckt sie ein Pfötchen aus, immer auf der Suche nach Zuneigung und Aufmerksamkeit. Sie schaut uns an, ihre Augen gehen durch und durch. Ich glaube sie weiß, wie sie uns alle um den Finger wickeln kann. Dabei ist ein ernstes Wort und Konsequenz auch bei ihr angebracht. Dennoch sehen wir in ihr das hilflose Wesen, das in der Ukraine gerettet wurde.

Dezember 2011:

Bei 30° Minus wird ein junger Hund aufgefunden, angebunden an einem Gartenzaun in Kiew.

Eine kleine Hündin, noch ein Welpe, war hilflos der Witterung ausgesetzt. Ukrainische Tierschützer brachten sie in Sicherheit.

Zu der Zeit liefen die Vorbereitungen für die Fußball-EM 2012. Unendlich viele Tiere kamen grausam ums Leben. Der kleine Welpe hätte sicher keine Chance gehabt, dem Töten zu entgehen.

Das winzige Hündchen, von ihren Rettern „Milka“ genannt, kam in die Obhut von Tierschützern. Zu dieser Zeit unternahm der ETN große Anstrengungen, die zuständigen Behörden davon zu überzeugen, dass die Massenmorde an Tieren aufhören müssten. Vom ETN wurde Hilfe bei Kastrationen und bei der Unterbringung von Tieren zugesichert. Bei der Einweihung der ETN-Quarantänestation in Kiew sah ich auf einem Foto, wie ETN-Botschafterin Prinzessin Maja von Hohenzollern eine kleine braune Hündin auf ihren Armen hielt. Der Anblick der kleinen Hündin berührte mich tief. Verfolgten mich doch die Bilder der getöteten Hunde bis in den Schlaf. Ein Foto bekam ich nicht mehr dem Kopf. Aus gestapelten blauen Plastiksäcken hatte sich ein noch lebender Hund mit dem Köpfchen befreit, und genau dieses Köpfchen, klein mit braunem Fell, erinnerte mich an den Hund auf dem Arm der Prinzessin. Diesem kleinen Hund wollte ich eine neue Zukunft geben.

Die ersten geretteten Tiere aus Kiew durch den ETN wurden vom vereinseigenen Tierschutzhof Wiesenfeld in Bad Karlshafen aufgenommen. Dort holte ich Milka ab, der ich den Namen Princess Maja gab, gerufen wird sie aber Maja.

Als „Pflegehund“ sollte sie bei mir leben, bis ich ein geeignetes Zuhause für sie fand.

Das Wohnzimmer wurde mit einer Hundebox ausgestattet, ein kuscheliges Lager darin bereitet und Maja daran gewöhnt. Was ihr absolut nicht schwer fiel.

Sie fühlte sich in ihrer Höhle wohl, lugte durch das Gitter und kratzte vorsichtig daran, wenn sie heraus wollte. Gefüttert habe ich sie in der Box, danach schlief sie ein, und das war auch gut so, denn ich hatte einen kleinen, munteren Hüpfer aufgenommen, der meinen Tagesablauf vollständig durcheinander wirbelte. Meine über 10 Jahre alte Schäferhündin Ana kam nicht damit zurecht. Sie zog sich zurück, wollte ihre Ruhe haben und erweckte den Eindruck, als wäre sie krank. Maja akzeptierte, dass Ana sie ablehnte, sie ließ die ältere Hündin in Frieden. Das gegenseitige Ausweichen dauerte etwa 4 Wochen.  Danach konnte die Hundebox entfernt werden, denn Maja hatte sich längst ihren Lieblingssessel auserkoren. Durch ihr rücksichtsvolles Verhalten gegenüber der älteren Schäferhündin kam es zur allmählichen Annäherung zwischen beiden Hunden. Ana fand es nun ganz spannend, dass immer etwas los war, sonst eher die Ruhe selbst, lebte sie plötzlich auf, wurde viel munterer und fand all die dummen Sachen, die von der Kleinen ausgingen, überaus interessant. Unsere Schuhe standen nun auf den Schränken anstatt davor, Kabel wurden gesichert, Bücher davor gestellt und bereits entstandene Defekte mit Isolierband umwickelt. Ein grosses Herz war gefragt und viel Verständnis. Beiden Hunden steht nicht nur das Haus zur Verfügung, sondern auch ein Garten.  Und der war das Problem. Maja fand jedes Loch, drei mal entwischte sie mir, einmal kam sie von selbst zurück, ein anderes Mal jagte sie mich durchs Dorf. Ich stand kurz vor einem Herzinfarkt, bis dass ein Dorfbewohner sie einfing, das klappte aber nur, weil sie wegen einer Katze sich an einem Baum aufhielt, auf den die Katze sich geflüchtet hatte.

Wir sicherten die eine Seite des Zauns zusätzlich mit einem Kaninchendraht. Jetzt war es für sie unmöglich, eine Öffnung zu finden, um ihre Abenteuerlust auszudehnen.

Die andere Seite des Gartens begrenzt eine dichte Hecke mit Zaun. Dennoch fand sie auch hier irgendwo ein Loch, sie war plötzlich weg und suchte glücklicherweise in der Nähe nach Mäusen. Ich konnte sie an der Stelle dann anleinen. Ich weiß nicht, wie oft ich in der Hecke herumgekrochen bin, einmal an einem Sonntagmorgen im Schlafanzug, um Maja aus den Ästen zu befreien, in denen sie sich verhakt hatte. Jedesmal robbte ich durch die Tannenhecke wenn sie verschwunden war, um sie darin zu suchen. In einer Hecke von 15 m Länge ! Mein Pech war, dass sie nie einen Ton von sich gab, wenn sie zwischen den Ästen feststeckte. Ich krabbelte unter den Zweigen durch, fühlte, bog die Tannenzweige auseinander, um sie zu finden. Stumm, mit grossen Augen starrte sie mich dann an, wenn ich sie befreite. Doch daraus gelernt hat sie nicht, die Hecke hatte es ihr angetan.

Was mir bis heute nicht gelungen ist, ein Zuhause für die Kleine zu finden. Das hatte ich mir allerdings ganz anders vorgestellt.

Fast täglich erhält unser Verein Anfragen nach Schäferhunden, aber nach Maja erkundigt sich niemand.

Dabei kann ich sie als „entzückende Hündin“ beschreiben, niedlich und liebevoll, auch zu Kindern. Im Haus verhält sie sich ruhig und ausgeglichen.  Aber dafür geht draußen  die Post ab. Ihre Nase hängt auf dem Boden, mein Arm wird immer länger, so versucht sie zu ziehen. Der Besuch einer Hundschule erfolgte. Maja lernt sehr schnell, ist sehr intelligent, ihr Blick konzentriert auf den Trainer gerichtet, sie macht alles, was er sagt, verhält sich vorbildlich. Ein schlaues, kleines Hündchen. Es dauerte einige Zeit, bis dass sie stubenrein war. Sie bellt nicht, sie läuft nicht zur Tür, ich musste erst allmählich erkennen, wann sie raus muss. Zart kratzt sie mich am Arm, sucht meine Aufmerksamkeit um zu signalisieren, geh mit mir vor die Tür. Die kleine Schmuserin liegt gern auf der Couch, eng an ihre Menschen geschmiegt, mit geschlossenen Augen, voller Vertrauen. Nachts schläft sie in „ihrem Sessel“, zusammengerollt zu einer kleinen Kugel.

Da Ana nie alleine im Haus bleibt, habe ich jetzt immer zwei Hunde im Auto, die mich begleiten und wenn wir unsere Tierschutzhunde ausführen, überwiegend sind es Schäferhunde, sind sie immer dabei. Maja hat vor nichts Angst, sie mag alle Hunde, die Rüden lieben sie und schlecken sie ab. Ana wird dagegen nicht beachtet !

Seit über 4 Monaten lebt Maja nun bei mir, ich würde sie so gern in ein geeignetes Zuhause abgeben.  

Ein Team von Freunden, die unseren Verein unterstützen, nimmt sie mir immer mal wieder ab. Die Anpassungsfähigkeit von ihr und ihr Interesse an allem Geschehen lässt sie an jeder anderen Stelle glücklich sein.

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