Verein für Schäferhunde und andere Rassen

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Ein Schicksal vom Schlimmsten: Schäferhündin Lisa -
Sie lief weg von ihren Besitzern und blieb dadurch am Leben

Am 7.6.2006 wurde Abends, in einer kleinen Stadt im Sauerland, eine Schäferhündin aufgefunden, die körperlich und seelisch am Ende war. Sie stand in einem Hauseingang mitten in Medebach am Marktplatz. Ein junger Mann, der aufmerksam wurde und dem auffiel, dass sie sich kaum mehr auf den Beinen halten konnte, nahm sie mit und informierte die Polizei. Die Schäferhündin wurde abgeholt und kam ins Tierheim in Brilon. Dort sah ich sie einen Tag später.

Auf einer Decke im Zwinger lag ein Hund, der dem Tod näher war als dem Leben. Die Hündin reagierte nicht. Völlig apathisch lag sie da, mit ausdruckslosen, leeren Augen starrte sie vor sich hin. Körperlich war sie völlig abgemagert, die Haut lag in Falten und war rot entzündet. Andere Stellen waren ohne Fell, die Haut ledern und lilarot. Die Krallen waren sehr lang und rund gewachsen. Sie wies sehr große Liegeschwielen auf. Die Kopfhaut der Stirn lag in Falten und die Augen tief in den Höhlen, zudem waren die Augen entzündet, die Ohren innen verkrüppelt vom vielen Kratzen. Sie litt unter Ohrenzwang. Sie ist abgemagert bis aufs Skelett, was auf den Fotos nicht erkennbar ist, denn das Fell kaschiert ihre Magerkeit. Die Wirbelsäule steht weit raus, die haarlosen Stellen weisen auf Parasiten hin. In der ersten Woche hat sie nur geschlafen, gefressen und getrunken. Manchmal wurde schon daran gezweifelt, ob sie überlebte. Am Ende der zweiten Woche leckte sie mir die Hand und legte ihre Pfote darüber. Da ich sie so oft besuchte wie es mir möglich war und ihre Chancen im Tierheim gesund zu werden sehr schwierig waren entschied ich mich, die Hündin zu übernehmen. So zog Lisa zu uns.

Allerdings hatte das erhebliche Auswirkungen auf die Betreuung unserer anderen Schäferhunde. Die dürfen nämlich nicht mehr dort leben, wo wir Lisa, so wurde sie im TH genannt, untergebracht haben. Durch Untersuchungen ergab sich nämlich bei Lisa u.a. ein Befall mit Sarkoptes-Milben, die übertragbar auf Menschen und Hunde sind. Somit richteten wir übergangsweise für Lisa ein Quarantäne-Domizil ein.

Wir betreuen sie jetzt eine Woche und waren nach Übernahme einen Tag später sofort mit ihr bei unserem Tierarzt. Sarkoptes-Räude ist ein ziemlich heftiges Ergebnis und die Pflege eines solchen Hundes erfordert einen erheblichen pflegerischen Aufwand bis hin zu gründlichen Desinfektionen. Zweimal mussten wir Lisa bereits mit einem Mittel komplett abwaschen, wobei wir das Abwaschen in "Schutzkleidung" verrichten mussten. Danach war Lisa jedes mal total fix und fertig und hat nur geschlafen. Oftmals so tief, dass ich schon befürchtete, dass sie tot sei. Gegen den Parasitenbefall wird sie auch mit Spritzen behandelt, gegen die Entzündungen erhielt sie Antibiotikum. Ihre Ohren müssen auch täglich zweimal behandelt werden und ihre Augen ebenfalls. Zum hochwertigen Futter erhält sie zusätzliche Vitamine. Nach einer Woche konnte sie täglich 10 min. spazieren gehen. Jetzt sind wir schon bei einer halben Stunde. Sie ist immer noch sehr schwach. Ihr steht ein schöner, großer Garten zur Verfügung, aber wenn sie aufstehen soll, müssen wir sie locken. Sie ist immer nur müde und kuschelt sich in das Bett welches wir ihr eingerichtet haben. Vermutlich kannte sie nur eine harte LIegenfläche, denn dieses Bett lässt sie nicht aus den Augen, empfindet es wohl als äußerst angenehm. Es ist ein weiches Schaumstoffkörbchen, rechteckig mit Kunststoff überzogen, also leicht zu desinfizieren, mit einem breiten Rand, auf den sie ihr Köpfchen legt. Wenn sie ihren mageren Körper dort hineinbettet, sieht man nur Hautfalten. Es gibt an keiner Körperstelle mehr Reserven, sie hat alles verbraucht. Sie ist nur knochig. Anfangs dachte ich, was hängt eigentlich unter ihrer Rute baumelnd herum. Es ist ihr Geschlechtsteil, welches ca. 7 cm nach unten hängt, nur von wabbelnder Haut umgeben. Wenn sie liegt, hat sie selbst an den Beinen Hautfalten, sie hat nirgendwo mehr Substanz.

Es ist mir ein großes Bedürfnis, den Zustand dieser Schäferhündin so auszudrücken, wie er sich verhält. Ich bin mir bewusst darüber, dass meine Worte das Befinden nicht wiedergeben können. Aber es gibt auch Zeichen der Hoffnung. Die Sarkoptes-Räude ist medizinisch sehr gut behandelbar. Abgemagert ist sie noch immer, aber ihre Haut ist nicht mehr so rot entzündet. Nach wie vor frisst sie gut. Abends wirkt sie munter, sie scheint ausgeruht vom Tag, sie zieht sich wie andere Tiere auch vor der Hitze zurück ins Kühle. Sie will am Abend das Grundstück verlassen, zieht sogar dabei an der Leine, doch bald bleibt sie stehen und signalisiert, dass es ihr zuviel wird. Seit einigen Tagen "bewacht" sie auch das Grundstück, d.h., wenn jemand kommt, bellt sie kurz. Aber an keinem Tag habe ich sie so freudig gesehen wie heute Morgen: Sie empfing mich überschwenglich, ihre Rute ging hin und her. Das mir da das Herz aufging, muss ich wohl nicht extra betonen. All das könnte ich nicht leisten, wenn mir nicht eine liebe Tierfreundin zur Seite stehen würde, die für Lisas Betreuung viel Zeit aufwendet.

Die Schäferhündin hat mich in meinen Gedanken regelrecht verfolgt. Immer wieder habe ich darüber nachgedacht, wer das "Verbrechen" an diesem Hund begangen haben könnte. Inzwischen, ca. 3 Wochen nach Lisas Auffinden, hat sich die Besitzerin bei mir gemeldet. Wie sie mir angab, wäre ihr die Hündin am 7.6. weggelaufen, also an dem Abend, an dem sie auch aufgefunden wurde. Sie nannte mir auch die Tierärztin, die Lisa regelmäßig behandelt haben soll. Die Angaben stellten sich als unwahr heraus. Die Tierärztin teilte mir mit, dass Lisa vor einem Jahr bei ihr war, mit einem Termin zum EINSCHLÄFERN, was die Tierärztin aber ablehnte. Da war Lisa 7 Jahre alt !

Wir sind auf einem guten Weg, Lisas Gesundheit wieder in den Griff zu bekommen.
Sie ist sehr, sehr gut erzogen, stubenrein, ein Familienhund vom Feinsten.

Elke Heinemann
Tierschutzverein Marsberg e.V. - Tel. 02992/3745 oder 015119111717

Wir nehmen dankbar für Lisa auch finanzielle Hilfe an. Spendenbestätigungen könnten wir ausstellen:
Konto 40923 - Sparkasse Paderborn - BLZ 47250101 - Kennwort: Lisa
BAN: DE92 4725 0101 0000 0409 23
SWIFT-BIC.: WELADED1PBN

03.07.06
Inzwischen begutachtete auch der Amtsveterinär des HSK die Schäferhündin: "Ihrem jetzigen Zustand sei ein langer Leidensweg vorausgegangen!"

4.7.2006
Herr Dr. Steiger, Amtstierarzt vom Veterinär-Amt Meschede, begutachtet Lisa und bezeichnet sie als "schlimmen Fall". Er selbst will die Strafanzeige gegen die Besitzer von Lisa in die Wege leiten. Wir protokollieren jeden Tag, deshalb können wir die Zusammenfassung so genau wiedergeben:

5.7. - 30.7.2006
Lisa schläft nach wie vor sehr viel, ist aber nicht mehr so geschwächt wie in der ersten Zeit. Sie geht leidenschaftlich gern spazieren. Sobald wir Halsband und Leine nehmen, steht sie schon parat. Tagsüber trägt sie an ihrem mageren Hals, an dem die Haut nur so baumelt, kein Halsband, weil das scheuern würde. Aufgefallen ist uns, dass sie nach kurzer Zeit ihre Haufen so schnell wie möglich absetzt und dann ruckartig umdreht, um wieder nach Haus zu laufen. Vermutlich kennt sie nur diese kurzen Spaziergänge, um sich zu lösen. Bei uns lernt sie jetzt, dass Spaziergänge auch etwas länger dauern können und sie vollkommen entspannt am Wegesrand schnüffeln kann. Die Hitze setzt ihr sehr zu. Ihren mageren Körper mit der roten, erhitzten Haut kühlen wir mit kalten, nassen Handtüchern. Nachts tritt das Gegenteil ein. Bedingt durch ihre Magerkeit friert sie. Dann wird sie mit einer Fleecedecke zugedeckt, sie legt ihren Kopf auf eine Pfote und schläft tief.

Sechs Waschungen mit Ectodex sind bei ihr durchgeführt worden, mit dem Wirkstoff Amitraz, einem Insektizid. Da auf den einst kahlen Hautstellen neues Fell wächst, wären, lt. unserem Tierarzt, die Sarkoptes-Milben beseitigt.

Diese Waschungen waren mit das Aufwendigste, was wir an Lisa vornehmen mussten. Der Zeitpunkt musste gut gewählt werden. Sie durfte nicht erhitzt sein, und es durfte nicht am Abend sein, weil sie noch trocknen musste.

Ectodex wurde mit lauwarmen Wasser verdünnt und mittels Schwamm auf die gesamte Haut aufgetragen. Das Mittel wirkte stark sedierend. Lisa war nach der Anwendung wie weggetreten. Was mir leider niemand mitteilte, war, dass ich bei Auftragen der Flüssigkeit einen Mundschutz zu tragen hätte. Bis ich selbst darauf kam, weil mir nach den Waschungen Konzentrationsschwierigkeiten beim Autofahren zu schaffen machten.

Bei den Waschungen mit Ectodex muss derjenige, der die Prozedur durchführt, gut geschützt sein: Gummistiefel, lange Hose, lange Ärmel und Gummihandschuhe und nicht zu vergessen, Mundschutz.

Der Tierarzt behandelt mit Ivomec-Spritzen gegen die Milben. Für die geschädigte Haut erhält sie: Biogen (Vitamine). Für das geschwächte Allgemeinbefinden: Nutri-Cal-Paste. Ohren und Augen werden z.Zt. nicht mehr behandelt.

Da sich Sarkoptes-Milben in Wärme vermehren, werden Lisa`s Decken täglich gewaschen. Sie will immer nur weich liegen. Ihre dicken Liegeschwielen hat sie nach wie vor. Ihre Quarantäne ist inzwischen aufgehoben, jedoch verhindern wir den direkten Kontakt zu anderen Hunden. Während der großen Hitze in den vergangenen Wochen hat sie ihren Platz in der kühlen Küche gefunden. Auf Lisa`s angegriffener Haut haben sich pathogene Pilze angesiedelt. Die Behandlung erfordert weitere Waschungen der Haut.

Lisa hat 1 kg zugenommen. Ihr Stoffwechsel arbeitet noch nicht zufrieden stellend. Das Futter wird schlecht verwertet, der Kotabsatz ist zu oft und zu massig.

Ende Juni meldet sich bei uns die Besitzerin von Lisa und teilt uns mit, dass es ihr Hund ist, den wir beherbergen. Lisa wäre ihr weggelaufen und sie hätte jetzt erst erfahren, dass unser Tierschutzverein für Lisa sorgt. Außerdem wäre Lisa nicht krank gewesen. Sie fordert Lisa zurück und schaltet einen Rechtsanwalt ein. Wir weigern uns, Lisa zurückzugeben und Herr Dr. Steiger als Amtstierarzt unterstützt uns dabei. Er leitet unverzüglich ein vorläufiges Tierhalteverbot ein.
Inzwischen haben wir erfahren, dass die Kripo Meschede im Fall Lisa ermittelt.

Jetzt heißt es abwarten. Für uns ist Lisa`s Befinden das Wichtigste.

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